Aus der Praxis | Montage, Projektmanagement & Baustelle

LV oder Stundenabrechnung? Warum Montageteams bei Leistungsverzeichnissen oft zögern

Warum werden Montageleistungen immer häufiger nach Leistungsverzeichnis statt nach Stunden angeboten und abgerechnet?

Die Abrechnung nach Leistungsverzeichnis – kurz LV – nimmt unserer Erfahrung nach zu. Dabei spielt es längst nicht mehr unbedingt eine Rolle, ob es sich um eine große oder kleinere Baustelle handelt.

Für Montageteams und selbstständige Monteure bedeutet das: Wir müssen lernen, mit dieser Form der Abrechnung richtig umzugehen, statt sie grundsätzlich abzulehnen.

In diesem Beitrag teilen wir unsere Erfahrungen aus der Praxis. Wo liegen die Risiken eines LV? Warum lehnen viele Monteure solche Aufträge ab? Und was können wir bereits vor Projektbeginn tun, damit ein LV für Auftraggeber und Montageteam funktioniert?

Warum zögern viele Montageteams bei einem LV?

Diese Reaktion erleben wir immer wieder. Sobald es heißt: „Der Auftrag läuft auf LV“, werden viele selbstständige Monteure und Montageteams vorsichtig. Manche winken direkt ab.

Der Grund ist eigentlich einfach: Was habe ich am Ende der Woche im Geldbeutel?

Bei einer Stundenabrechnung ist die Rechnung klar. 55 oder 60 Stunden gearbeitet, vereinbarter Stundensatz dazu – der Monteur weiß ziemlich genau, womit er rechnen kann.

Beim LV sieht die Sache anders aus. Da zählt nicht, dass jemand 60 Stunden auf der Baustelle war. Entscheidend ist, welche Leistung in diesen 60 Stunden tatsächlich erbracht und abgerechnet werden konnte.

Und genau da beginnt die Unsicherheit. Besonders in den ersten Wochen.

Warum gerade die ersten Wochen beim LV entscheidend sind

Genau die ersten Wochen entscheiden oft darüber, ob ein Montageteam bei einem LV bleibt oder wieder geht.

Eine neue Baustelle bedeutet zuerst einmal: zurechtfinden, ausmessen, Material organisieren und transportieren, Arbeitsbereiche kennenlernen und die Abläufe mit anderen Gewerken verstehen. Das Team arbeitet – teilweise 55 oder 60 Stunden in der Woche – aber die abrechenbare LV-Leistung kommt noch nicht entsprechend hinterher.

Und dann wird am Wochenende gerechnet.

Plötzlich entspricht die erreichte Leistung vielleicht nicht den erwarteten 27 oder 30 Euro pro Stunde, sondern deutlich weniger. Dann kommt verständlicherweise schnell der Satz: „Für das Geld mache ich das nicht. Wir arbeiten die ganze Woche und am Ende bleibt zu wenig übrig.“

Genau an diesem Punkt verlieren viele Teams das Vertrauen in einen LV-Auftrag und steigen aus. Das Problem dabei: Die Baustelle hatte vielleicht noch gar keine Chance, in die produktive Phase zu kommen.

Deshalb müssen wir gerade am Anfang sehr genau hinschauen. Wo verlieren wir Zeit? Was können wir besser organisieren? Und was liegt gar nicht in der Hand des Montageteams?

Denn einfach zu sagen „Ihr müsst schneller werden“ löst auf der Baustelle kein einziges Problem.

Drei Minuten laut LV – aber was passiert auf der Baustelle wirklich

Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel aus der Praxis: eine Kabelhalterung.

Im LV wird die Montage beispielsweise mit 1,06 Euro pro Stück vergütet. Rechnet man die Position zurück, bleiben vielleicht ungefähr drei Minuten für eine Halterung.

Auf dem Papier sieht das erst einmal machbar aus. Drei Minuten – montieren, fertig, nächste.

Aber stellen wir uns einmal daneben und schauen, was auf der Baustelle wirklich passiert.

Die Position muss ausgemessen werden. Das Material muss zum Arbeitsbereich. Die Leiter wird geholt und gestellt. Anzeichnen, bohren, Halterung montieren. Vielleicht trifft der Monteur beim Bohren auf Eisen, muss neu ansetzen oder die Leiter noch einmal umstellen.

Und plötzlich sind aus den kalkulierten drei Minuten acht oder zehn Minuten geworden.

In dieser Zeit hätten laut Kalkulation vielleicht drei Halterungen montiert sein sollen. Tatsächlich hängt eine.

Zack – das Ziel ist nicht erreicht.

Genau hier beginnt der Druck. Der Monteur arbeitet, aber seine erreichte LV-Leistung passt nicht zu den Stunden, die er auf der Baustelle verbringt. Der Verdienst bleibt hinter seiner Erwartung, Frust entsteht und irgendwann geht auch die Motivation runter.

Jetzt einfach zu sagen „Das LV ist schlecht“ wäre aber genauso falsch wie zu sagen „Der Monteur ist zu langsam“.

Wir müssen herausfinden, wo die Zeit wirklich verloren geht und warum.

Ist die kalkulierte Zeit unter den tatsächlichen Baustellenbedingungen überhaupt erreichbar? Liegt es an der Arbeitsorganisation? Am Werkzeug? An langen Materialwegen? Am Untergrund? Oder kommen mehrere kleine Dinge zusammen, die aus drei Minuten am Ende zehn machen?

Genau diese Unterschiede müssen wir erkennen und dokumentieren. Denn erst dann können wir entscheiden, was wir selbst besser machen können und was wir mit dem Auftraggeber klären müssen.

Leistung nicht nur fordern – wir müssen sie auch ermöglichen

Wenn ein Team seine geplante LV-Leistung nicht erreicht, bringt uns ein Satz wie „Ihr müsst schneller werden“ nicht weiter. Dann müssen wir uns genauso fragen: Was können wir tun, damit das Team überhaupt effizienter arbeiten kann?

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit der Kabelhalterung. Wenn drei Minuten kalkuliert sind und wir tatsächlich acht oder zehn Minuten brauchen, schauen wir uns den kompletten Arbeitsablauf an.

Muss jeder Monteur selbst ausmessen, Material holen, die Leiter stellen, bohren und montieren? Oder können wir die Arbeit im Team besser aufteilen? Kann das Material bereits für den nächsten Arbeitsbereich vorbereitet werden? Sind die Wege zu lang? Fehlt das richtige Werkzeug?

Auch das Montageverfahren gehört auf den Prüfstand. Wenn beispielsweise jede Befestigung gebohrt wird, kann man prüfen, ob für den konkreten Einsatz ein schnelleres und zugelassenes Befestigungssystem verwendet werden darf.

Aber ganz wichtig: Wir schießen nicht einfach eine Befestigung rein, nur weil es schneller geht. Wenn Brandschutz, Zulassung, Untergrund oder technische Vorgaben eine bestimmte Befestigung verlangen, dann wird danach gearbeitet.

Schneller ist nur dann besser, wenn es technisch sauber, sicher und zulässig bleibt.

Genau darin sehen wir einen Teil guter Projektleitung: Nicht nur kontrollieren, wie viele Stück am Abend montiert wurden, sondern gemeinsam mit dem Team schauen, wo wir jeden Tag unnötig Zeit verlieren und wie wir diese Zeit zurückholen können.

Dokumentieren – aber bitte ohne Zettelflut

Bei einem LV müssen wir dokumentieren. Keine Frage. Aber wir können nicht auf der einen Seite Leistung verlangen und dem Monteur auf der anderen Seite ständig neue Formulare in die Hand drücken.

Wenn etwas die Arbeit behindert, brauchen wir zuerst die Fakten: Was ist passiert? Wo? Seit wann? Welche Arbeit ist betroffen? Und wenn möglich ein Foto dazu.

Material fehlt? Melden und dokumentieren.
Arbeitsbereich blockiert? Melden und dokumentieren.
Vorleistung eines anderen Gewerks fehlt? Melden und dokumentieren.

Den Rest muss die Projektleitung übernehmen.

Der Monteur soll auf der Baustelle montieren. Unsere Aufgabe ist es, ihm unnötige Hindernisse aus dem Weg zu räumen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass gegenüber dem Auftraggeber nachvollziehbar bleibt, warum eine geplante Leistung nicht erreicht werden konnte.

Leistung fordern ist einfach. Die Bedingungen dafür zu schaffen, ist Projektarbeit.

Ihr habt das LV und die Pläne vorher gesehen.

Dieser Satz kann schneller kommen, als einem lieb ist.

Das Team startet auf der Baustelle und plötzlich fehlt Material, Arbeitsbereiche sind noch nicht frei oder ein anderes Gewerk ist mit seinen Vorleistungen im Rückstand. Wir rufen den Auftraggeber an, erklären die Situation und fragen: Wo können wir weiterarbeiten und wie gehen wir mit der verlorenen Zeit um?

Dann kann die Antwort kommen: „Das ist Baustellen- bzw. Geschäftsrisiko. Ihr wusstet doch, wie es auf dem Bau läuft. Außerdem habt ihr das LV und die Pläne vorher gesehen.“

Und ganz ehrlich: Wenn wir diese Punkte vorher nicht geklärt haben, wird die Diskussion nach der Unterschrift deutlich schwieriger.

Genau deshalb reicht es aus unserer Sicht nicht, ein LV nur durchzurechnen und zu schauen, ob der Preis interessant aussieht.

Der LV-Preis kann sehr attraktiv sein. Die Probleme stehen aber meistens nicht als eigene Position daneben.

Wo liegt das Material? Wer bringt es zum Montageort? Sind die vorgesehenen Arbeitsbereiche zum Start wirklich frei? Was passiert, wenn andere Gewerke im Rückstand sind? Gibt es Ausweicharbeiten? Wie werden Wartezeiten oder Behinderungen behandelt? Und wer darf entscheiden, dass eine zusätzliche Leistung in Regie ausgeführt wird?

Das sind vielleicht keine spannenden Fragen, wenn der Auftrag auf dem Tisch liegt und der Starttermin drückt. Aber genau diese Fragen können später darüber entscheiden, ob aus einem guten LV auch ein gutes Projekt wird.

Trotzdem führen wir lieber zwei oder drei Gespräche mehr, bevor wir bei einem größeren LV zusagen.

Zeitdruck kennen wir alle. Der Termin steht fest und dann heißt es schnell: „Montag, 07:00 Uhr, bitte acht Leute auf der Baustelle.“

Trotzdem würden wir heute lieber zwei oder drei Gespräche mehr führen, bevor ein größeres LV sauber vereinbart wird.

Am besten schaut man sich die Baustelle vorher gemeinsam an. Das ist aber nicht immer möglich. Gerade dann braucht es eine klare Checkliste und offene Fragen, bevor das Team losfährt.

  • Welche Leistungen und Nebenleistungen sind im LV enthalten?
  • Ist das benötigte Material zum Start vorhanden und wo wird es bereitgestellt?
  • Sind die vorgesehenen Arbeitsbereiche tatsächlich frei?
  • Welche Vorleistungen anderer Gewerke müssen abgeschlossen sein?
  • Gibt es Ausweichbereiche, wenn eine Fläche blockiert ist?
  • Wie werden Behinderungen und Wartezeiten gemeldet und dokumentiert?
  • Welche zusätzlichen Leistungen können als Regie ausgeführt werden?
  • Wer darf Regie oder Zusatzleistungen freigeben?
  • Welche Dokumentation erwartet der Auftraggeber?
  • Welche Wochenziele sind unter den tatsächlichen Baustellenbedingungen realistisch?

Nicht jede Situation auf einer Baustelle lässt sich vorhersehen. Das wäre unrealistisch.

Aber wir können vorher festlegen, wie wir miteinander umgehen, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Genau das ist für uns entscheidend. Nicht erst am Freitag darüber diskutieren, warum das Wochenziel nicht erreicht wurde, sondern von Anfang an wissen: Wer meldet was, wann und an wen – und wie gehen wir anschließend damit um?

Lieber vor der Zusage eine unangenehme Frage mehr stellen, als nach Projektstart festzustellen, dass niemand das Risiko übernehmen will.

Der erste Rechenfehler: „500.000 durch 12.000 Stunden – das sind über 40 Euro

Genau hier passiert aus unserer Erfahrung einer der häufigsten Fehler.

Ein Unternehmen bekommt ein LV auf den Tisch. Auftragsvolumen beispielsweise 500.000 Euro, kalkulierter Aufwand rund 12.000 Stunden.

Kurz den Taschenrechner raus:

500.000 € ÷ 12.000 Stunden = 41,67 € pro Stunde.

„Über 40 Euro die Stunde? Super Auftrag. Den nehmen wir.“

Aber genau so funktioniert ein LV nicht.

Die 41,67 Euro sind kein garantierter Stundensatz. Sie sind zunächst nur das rechnerische Verhältnis zwischen Auftragswert und angenommenem Zeitaufwand.

Wenn wir für dieselbe Leistung am Ende 15.000 statt 12.000 Stunden brauchen, sieht die Rechnung schon ganz anders aus. Und wenn zusätzlich Zeit für Materialtransporte, Behinderungen, fehlende Vorleistungen oder schlecht organisierte Abläufe verloren geht, wird aus dem vermeintlich guten Geschäft schnell eine ganz andere Kalkulation.

Und dann beginnen die Diskussionen.

Das Montageteam sagt: „Mit dem Preis kommen wir nicht hin.“

Der Auftragnehmer sagt: „So war das nicht kalkuliert.“

Und der Auftraggeber sagt möglicherweise: „Ihr habt das LV vorher gesehen und zu diesen Preisen zugesagt.“

Genau deshalb reicht es nicht, LV-Summe durch kalkulierte Stunden zu teilen und daraus einen vermeintlichen Stundenlohn abzuleiten.

Vor der Zusage müssen wir verstehen, wie diese 12.000 Stunden zustande gekommen sind und ob sie unter den tatsächlichen Baustellenbedingungen überhaupt realistisch erreichbar sind.

Denn 41,67 Euro auf dem Taschenrechner sind noch lange keine 41,67 Euro auf der Baustelle.

500.000 € ÷ 12.000 Stunden = 41,67 €.
„Wau, über 40 Euro. Den Auftrag nehmen wir.“
Und genau da kann der erste Fehler anfangen.

Warum wir ein gutes LV trotzdem spannend finden

Nach all diesen Punkten könnte man jetzt sagen: Dann lassen wir die Finger vom LV und rechnen einfach weiter nach Stunden ab.

Genau das wäre aus unserer Sicht aber der falsche Schluss.

Ein gut kalkuliertes LV kann für ein eingespieltes Montageteam sehr interessant sein. Der entscheidende Punkt ist: Wir dürfen nicht nur auf die ersten Tage oder Wochen schauen, sondern müssen die Entwicklung über das gesamte Projekt verstehen.

Nehmen wir ein vereinfachtes Beispiel: Ein Projekt hat ein Auftragsvolumen von 500.000 Euro und im LV stecken rechnerisch rund 12.000 Arbeitsstunden.

In den ersten Wochen kann die Rechnung trotzdem schlecht aussehen. Das Team kennt die Baustelle noch nicht, Abläufe müssen sich einspielen und viele Dinge kosten mehr Zeit als später.

Rechnen wir die tatsächlich erreichte LV-Leistung auf die geleisteten Stunden zurück, liegen wir am Anfang vielleicht nur bei 12 Euro pro Stunde.

Das tut weh. Und genau hier kommt wieder der Punkt, über den wir vorher gesprochen haben: Ein Team sieht diese Zahl und fragt sich verständlicherweise, warum es diesen Auftrag überhaupt weitermachen soll.

Nach einigen Wochen sieht die Sache möglicherweise schon anders aus. Materialwege sind bekannt, Arbeitsbereiche vorbereitet, das Team kennt die Abläufe und jeder weiß, was zu tun ist. Aus den 12 Euro werden vielleicht 23 Euro pro Stunde.

Und wenn das Projekt sauber läuft und das Team richtig eingespielt ist, kann sich diese Kurve weiter drehen. Dann können aus den 23 Euro beispielsweise 35, 40 oder auch 42 Euro pro Stunde werden.

Das sind bewusst vereinfachte Beispielwerte. Nicht jedes LV entwickelt sich so und ein hoher späterer Ertrag ist niemals garantiert. Aber sie zeigen genau den Punkt, den wir in der Praxis wichtig finden:

Ein LV sollte nicht nur als Stückpreis betrachtet werden. Wir müssen verstehen, wie sich Leistung, Zeit und Organisation über die gesamte Projektlaufzeit entwickeln.

Genau darin liegt für uns die Chance. Wenn wir wissen, was auf uns zukommt, die Baustelle vernünftig vorbereitet ist und Team und Auftraggeber offen miteinander arbeiten, müssen wir vor einem LV keine Angst haben.

Die Kurve kann stimmen – und trotzdem fehlt das Geld

Genau hier kommt ein Punkt ins Spiel, der bei der ganzen LV-Kalkulation schnell vergessen wird: Liquidität.

Es kann sein, dass wir überzeugt sind: Das LV ist über die gesamte Laufzeit gut kalkuliert. Wir wissen, dass die Leistung mit einem eingespielten Team steigen wird und dass die schwächeren ersten Wochen später aufgeholt werden können.

Das hilft einem Montageteam aber wenig, wenn es die ersten vier oder sechs Wochen finanziell nicht überbrücken kann.

Der selbstständige Monteur hat seine laufenden Kosten. Unterkunft, Fahrt, Werkzeug, Versicherungen und natürlich seine privaten Ausgaben laufen weiter. Er will nicht hören: „Keine Sorge, in drei Monaten sieht die Kurve besser aus.“

Er will wissen: Was verdiene ich jetzt?

Und genau deshalb kann man einem Team bei einem LV nicht einfach einen festen Stundenverdienst versprechen, wenn die Vergütung tatsächlich von der erreichten LV-Leistung abhängt.

Auch die vermeintlich einfache Lösung „Dann rechnen wir den ersten Monat eben nach Stunden ab“ funktioniert nicht automatisch. Denn auch der Auftraggeber kann seinem Kunden nicht einfach mehr Leistung berechnen, als tatsächlich erbracht wurde.

Also müssen wir vor Projektbeginn nicht nur die technische und wirtschaftliche Seite des LV prüfen, sondern auch die Frage:

Wie überstehen wir gemeinsam die Anlaufphase, ohne dass das Team nach drei Wochen sagt: Das lohnt sich für uns nicht – wir gehen?

Dafür braucht es aus unserer Sicht vor allem Ehrlichkeit. Keine Versprechen, die später nicht gehalten werden können. Das Team muss wissen, dass die ersten Wochen anders aussehen können als die später eingespielte Phase.

Gleichzeitig müssen wir alles dafür tun, dass diese Anlaufphase so kurz und so sauber wie möglich bleibt: klare Wochenziele, gute Arbeitsvorbereitung, vernünftiges Werkzeug, kurze Materialwege, schnelle Entscheidungen und offene Kommunikation.

Ein gutes LV allein reicht nicht. Das Team muss wirtschaftlich auch die Chance haben, lange genug dabei zu bleiben, damit ein gutes LV überhaupt gut werden kann.

Was wir vor einem LV-Auftrag klären würden

Wenn wir unsere bisherigen Erfahrungen auf ein paar Punkte herunterbrechen, würden wir heute vor einem größeren LV-Auftrag vor allem fünf Dinge klären.

Nicht weil damit jedes Problem auf einer Baustelle verschwindet. Sondern weil wir damit wesentlich früher erkennen können, wo ein Projekt wirtschaftlich funktionieren kann – und wo wir genauer hinschauen müssen.

  • Die Baustelle hinter dem LV verstehen.
  • Materialwege, Zugänglichkeit, Vorleistungen anderer Gewerke, Arbeitsbereiche, Logistik und tatsächliche Montagebedingungen gehören für uns genauso zur Kalkulation wie der Stückpreis. Die ersten Wochen gemeinsam planen.
  • Gerade am Anfang brauchen wir realistische Wochenziele und müssen regelmäßig vergleichen: Was wollten wir schaffen? Was haben wir geschafft? Und warum gibt es Abweichungen? Probleme sofort ansprechen und dokumentieren.
  • Wenn Material fehlt, Bereiche blockiert sind oder Vorleistungen fehlen, darf das nicht erst Wochen später bei der Abrechnung zum Thema werden.Das Team unterstützen statt nur Leistung zu verlangen.
  • Werkzeug, Arbeitsvorbereitung, Materialbereitstellung, sinnvolle Arbeitsteilung und schnelle Entscheidungen können darüber entscheiden, ob eine kalkulierte Leistung auf der Baustelle überhaupt erreichbar ist.
  • Das LV nicht in einen Stundenlohn umrechnen.
    Auftragswert geteilt durch kalkulierte Stunden ist eine Orientierung – kein garantierter Stundenverdienst.

Für uns ist deshalb nicht die Frage: Stundenabrechnung oder LV – was ist grundsätzlich besser?

Die bessere Frage lautet: Passt das Abrechnungsmodell zu diesem Projekt, sind die Bedingungen klar und wissen alle Beteiligten, worauf sie sich einlassen?

Wenn diese Grundlage fehlt, kann auch ein LV mit einem sehr guten Preis schwierig werden.

Wenn sie vorhanden ist, kann ein LV dagegen für Auftraggeber und Montageteam interessant sein – weil gute Organisation, Erfahrung und steigende Produktivität dann auch wirtschaftlich sichtbar werden.

Unser Fazit aus der Praxis

Wir sehen, dass Leistungen auf Montageprojekten zunehmend über Leistungsverzeichnisse angeboten und abgerechnet werden. Davor die Augen zu verschließen, bringt uns nicht weiter.

Gleichzeitig sollten wir ein LV niemals nur deshalb annehmen, weil die Summe auf dem Taschenrechner gut aussieht.

Erst verstehen. Dann kalkulieren. Dann miteinander reden. Und erst danach zusagen.

Ein gutes LV braucht aus unserer Sicht nicht nur gute Preise. Es braucht eine realistische Kalkulation, eine vorbereitete Baustelle, klare Kommunikation und ein Montageteam, das weiß, was von ihm erwartet wird – und die Bedingungen bekommt, diese Leistung auch zu erreichen.

Genau darüber möchten wir in „Aus der Praxis“ weiter sprechen: nicht über Theorie, sondern über Situationen, die auf Montageprojekten tatsächlich passieren – und darüber, was wir daraus lernen können.

Sie haben Fragen zum Thema LV?

Wir erstellen oder kalkulieren keine Leistungsverzeichnisse für Dritte. Wenn Sie Fragen haben oder sich zu Erfahrungen aus der Praxis austauschen möchten, schreiben Sie uns gerne.

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